20.11.2020 / Artikel / /

„Die Mitte“ wird innovativ, schlagkräftig und staatstragend werden

Der auch in unseren Breitengraden regelmässig als Leserbriefschreiber auftauchende Alex Schneider aus Küttigen hat letzte Woche für seinen Leserbrief im Bündner Tagblatt folgenden Titel gewählt: „Die Mitte“ wird katholisch bleiben“. Offenbar hat er die letzten 40 Jahre politisch verpasst, denn die CVP trägt seit der 2. Hälfte der 70-er Jahre des letzten Jahrhunderts das C und nicht mehr das K in ihrem Namen. Das C als Abkürzung von christlich enthält die umfassenden christlichen Werte, welche für uns und für das Abendland von grundlegender Bedeutung sind. Sie auf die katholischen Lehren, welche zweifellos auch darin enthalten sind, zu reduzieren, ist somit sicher falsch und schliesst alle übrigen christlichen Kirchen, Organisationen und Vereine aus, was sich als ungerechtfertigt und falsch erweist. Weiter behauptet Alex Schneider im ersten Satz seines Leserbriefes, dass die katholische Kirche auch für die neue Partei „Die Mitte“ ein grosses Handicap für viele Aussenstehende bleiben wird. Auch hier irrt er, denn die neue Mitte wird bei Zustimmung der CVP Schweiz Ende dieses Monats sich in den anschliessenden Monaten auch ein neues, innovatives und schlagkräftiges Parteiprogramm geben. Deswegen müssen aber die sich aus dem Kürzel „C“ und seinen immanenten „christlichen Werten“, welche sich im Laufe des 20. Jahrhunderts vor allem im westlichen Europa und in der freien Welt herausgebildet haben, nicht unbeachtet bleiben. Denn dazu gehören z. B. die echten demokratischen Grundsätze, die menschlichen Grundfreiheiten, die unveräusserlichen Grundrechte eines jeden Menschen, die weitreichenden Menschen- und Kinderrechte, die wichtigen Diskriminierungsverbote und der friedenstiftende soziale Ausgleich. In seinem zweiten und letzten Satz führt der fleissige Leserbriefschreiber schliesslich noch aus, dass das Politprogramm der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP) mit dem Schritt zur neuen Mitte ganz untergehen wird. Dabei übersieht er aber, dass es sich bei der neuen „Die Mitte“ – Partei einerseits um eine ordentliche Fusion zwischen zwei bestehenden Parteien handelt, welche voll und ganz die Interessen beider Kontrahenten berücksichtigen und integrieren wird. Also werden auch die wichtigen Werte und Leistungen der BDP in der neuen Partei angemessen Berücksichtigung finden. Mit der neuen Partei werden aber auch neue und junge Kreise angesprochen, welche weiterhin in einem freiheitlichen, echt demokratisch organisierten und den Menschen in allen seinen Facetten und Bedürfnissen sowie unsere Umwelt angemessen berücksichtigenden Staat leben möchten. Schliesslich wird sie den tragenden Werten unseres föderalistisch aufgebauten Staates zum konkreten Durchbruch verhelfen, was für Bürgerinnen und Bürger dieses Landes wichtiger als unendliche Parteigrabenkämpfe auf allen Stufen ist.

Lic. iur. und Rechtsanwalt Agostino D. Priuli war von 1980 bis 1987 Präsident der CVP Graubünden